Vermittlung von Wertpapieren
"Wasserdichte" Vermittlung und Beratung von Finanzdienstleistungen

Zunehmend verklagen Anleger Vermittler bei Scheitern einer Kapitalanlage auf Schadenersatz. Für den Anleger ist es einfacher, den Vermittler in Anspruch zu nehmen als Initiatoren und andere Begünstigte, die in vielen Fällen nicht erreichbar sind. Begünstigt werden die zunehmenden Prozesserfolge der Anleger durch den Irrtum der Vermittler, sie könnten sich auf Prospekte und ähnliche Angaben des Anbieters verlassen und sich darauf beschränken, diese Unterlagen an den Interessenten weiterzugeben. Die Pflichten gehen viel weiter.

Wie weit Ihre Pflichten gehen, erläutern wir Ihnen im folgenden Beitrag. Außerdem liefern wir Ihnen einen Fragebogen, mit dem Sie die Kundenbedürfnisse und Erwartungen erfragen und schriftlich fixieren können. Abgerundet wird das Ganze mit einer Checkliste, die Sie gedanklich immer durchgehen sollten, wenn Sie erwägen, eine unbekannte Kapitalanlage zu vertreiben.
(Achtung: Fragebogen und Checkliste können hier leider nicht abgedruckt werden. Sie finden sie aber in der Veröffentlichung im Wirtschaftsdienst für Versicherungs- und Bausparkaufleute 6/2002. Wir danken für Ihr Verständnis.)

Wie sieht Ihr Pflichtenkatalog aus?
Bekanntlich kommt zwischen Interessent und Vermittler bzw. Berater ein Auskunftsvertrag zu Stande, wenn der Interessent deutlich macht, dass er die besonderen Kenntnisse und Verbindungen des Vermittlers in Anspruch nehmen will und der Anlagevermittler die gewünschte Tätigkeit beginnt (Abgrenzung zum unentgeltlichen Anlagetipp unter Bekannten).

Aus dem Auskunftsvertrag leiten sich für Sie als Vermittler oder Berater umfangreiche Pflichten ab. Wenn Sie eine Pflicht verletzen, haften Sie persönlich. Falls Sie mit einer GmbH im Rechtsverkehr auftreten, haftet nur die GmbH. Eine persönliche Haftung des Geschäftsführers oder Mitarbeiters besteht nur im Falle eines deliktischen Handelns (zum Beispiel bei Betrug, vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung). Zu denken wäre an den Fall, dass der Geschäftsführer den Kunden absichtlich über Umstände einer Kapitalanlage täuscht.

Die Schadenersatzansprüche wegen Falschberatung verjähren bei

  • Wertpapieren - also Aktien, Aktienzertifikaten, Schuldverschreibungen, Genuss-, Options-, Anteilsscheinen etc. - in drei Jahren ab Entstehung des Anspruchs (§ 37a Wertpapierhandelsgesetz [WPHG]). Maßgeblich ist also der Zeitpunkt der Vermittlung/Beratung;

  • anderen Kapitalanlagen in 30 Jahren, seit dem 1. Januar 2002 in drei Jahren ab Anspruchsentstehung und Kenntnis, unabhängig von der Kenntnis in zehn Jahren (§ 195, 199 Bürgerliches Gesetzbuch; sehen Sie hierzu den Beitrag in der April-Ausgabe, Seite 18).

1. Anleger- und objektgerechte Beratung
Das A und O ist die anleger- und objektgerechte Beratung. Gemeint ist, dass die Anlage dem Kundenwunsch und Anlageziel entsprechen muss. Notwendig ist daher, dass Sie den Kunden eingehend über seine Kenntnisse, Ziele und Pläne befragen. Bei der Vermittlung von Wertpapieren sind Sie explizit verpflichtet, von Ihren Kunden detaillierte Angaben über deren Erfahrungen oder Kenntnisse in Wertpapiergeschäften, über die mit den Geschäften verfolgten Ziele sowie über deren finanzielle Verhältnisse zu verlangen. Am einfachsten erfüllen Sie die Pflicht, indem Sie nachstehenden Mitteilungsbogen verwenden. Damit können Sie ein Kundenprofil erstellen. Einmal angefertigt und bei wesentlichen Veränderungen aktualisiert, erleichtert es den Beweis im "worst case".
(Achtung: Fragebogen und Checkliste können hier leider nicht abgedruckt werden. Sie finden sie aber in der Veröffentlichung im Wirtschaftsdienst für Versicherungs- und Bausparkaufleute 6/2002. Wir danken für Ihr Verständnis.)

Unser Tipp: Die Fragen sind zwar nur bei der Vermittlung von Wertpapieren gesetzlich vorgeschrieben. Wir empfehlen Ihnen aber, den Mitteilungsbogen auch bei der Vermittlung sonstiger Kapitalanlagen einzusetzen. Aus Beweisaspekten ist das immer nützlich.

Unser Service: Den Mitteilungsbogen finden Sie im Online-Service (Kennwort: Versicherer) unter "Musterverträge/Musterformulierungen". Wie Sie dabei vorgehen, lesen Sie auf Seite 20 dieser Ausgabe.

2. Checken Sie den Prospekt auf Plausibilität
Sie dürfen sich nicht auf die Angaben der Initiatoren verlassen. Vielmehr müssen Sie selbstständig prüfen, ob die in dem Prospekt enthaltenen Angaben schlüssig und wahrheitsgemäß sind. Gegebenenfalls müssen Sie Nachforschungen anstellen - Stichwort: Plausibilitätsprüfung.

Nachfolgend finden Sie eine beispielhafte Checkliste, mit der Sie die Prospekt-Angaben auf ihre Plausibilität überprüfen können.
(Achtung: Fragebogen und Checkliste können hier leider nicht abgedruckt werden. Sie finden sie aber in der Veröffentlichung im Wirtschaftsdienst für Versicherungs- und Bausparkaufleute 6/2002. Wir danken für Ihr Verständnis.)

Wichtig: Gehen Sie unsere Checkliste gedanklich immer bei unbekannten Kapitalanlagen durch. Auch wenn einzelne Punkte trivial klingen mögen - aktuelle Urteile zeigen, dass Vermittler gerade dagegen immer wieder verstoßen.

Unser Service: Die Checkliste zur "Kapitalanlage" finden Sie im Online-Service (Kennwort: Versicherer) unter "Checklisten". Wie Sie dabei vorgehen, lesen Sie auf Seite 20 dieser Ausgabe.

3. Informieren Sie wahrheitsgemäß
Grundsätzlich ist die Haftung um so größer, je mehr Sie sich als fachkundig bezeichnen und mit der jeweiligen Anlage identifizieren. Sie trifft die Pflicht zu umfassender, wahrheitsgemäßer, sorgfältiger und vollständiger Information über alle Tatsachen, die für die Anlageentscheidung des Kunden Bedeutung haben (können). Insbesondere bedeutet dies.

  • Sie müssen über solche Umstände aufklären, die den Vertragszweck gefährden oder vereiteln können und daher für den Kunden von erheblicher Bedeutung sind.

  • Wer sich als Vermittler betätigt, hat über die dafür nötigen und erwarteten Kenntnisse zu verfügen oder aber offen zu legen, dass dies nicht der Fall ist.

  • Sie müssen dem Kunden den Prospekt erläutern, auf Widersprüche hinweisen und erkennbar falsche Angaben richtig stellen.

  • Klären Sie auch darüber auf, wenn eine Rendite-Angabe oder ein Ausschüttungsversprechen nur als Hoffnung ausgedrückt ist, die Unterlagen aber den Eindruck erwecken, es handle sich um verbindliche Angaben und verlässliche Berechnungen, die Basis für die Kalkulation des Anlegers sein können.

Unser Tipp: Werden etwa ungewöhnlich hohe Renditen versprochen, informieren Sie sich ausgiebig darüber, mit welchen Geschäften der Anbieter diese hohen Renditen erwirtschaften will und welche Risiken dabei bestehen. Fehlt ein plausibles Anlagekonzept oder ist die Qualifikation der Initiatoren zweifelhaft, nehmen Sie von der Vermittlung Abstand. Dies gilt beispielsweise, wenn hohe Renditen bei Kapitalsicherheit versprochen werden. Auch bei Vorliegen anderer verdächtiger Umstände können Sie sich nicht auf Unwissenheit berufen, etwa wenn der Anbieter seinen Sitz an exotischen Plätzen unterhält (British Virgin Islands, Bahamas etc.).

Auch Kapitalanlagen wie Immobilienfonds, Windkraftanlagen und vergleichbare Unternehmungen müssen Sie zumindest auf ihre Plausibilität hin prüfen. Sie müssen Überlegungen anstellen, ob ungewöhnlich hohe "weiche Kosten" (Gebühren) enthalten sind, die das Anlagekapital unverhältnismäßig mindern.

4. Verweisen Sie auf negative Presse
Sie müssen die etwa vorhandenen Veröffentlichungen in der Presse und in den einschlägigen Brancheninformationsdiensten auswerten und den Kunden über veröffentlichte kritische Berichte unterrichten. Dies gilt auch, wenn Sie die kritischen Berichte für falsch halten. Sie müssen sie dem Kunden vorlegen und mit ihm erörtern, damit er sich selbst einen Eindruck verschaffen kann. Auf keinen Fall dürfen Sie solche Berichte einfach übergehen bzw. verschweigen. Wenn eine Kapitalanlage kritisch beurteilt oder gar "verrissen" wurde, heißt dies nicht, dass Sie diese nicht vermitteln dürfen. Entscheidend ist, dass Sie den Kunden über die negative Berichterstattung informiert haben. Dann hat er nämlich die Kapitalanlage in Kenntnis der negativen Presse gezeichnet. Er ist nicht schutzwürdig.

Unser Fazit für Sie

Eine ordnungsgemäße Beratung ist in Zeiten, in denen Kunden eine Rechtsschutzversicherung haben, ein Muss. Ebenso unerlässlich ist eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Doch jede auch noch so ordnungsgemäße Beratung muss schriftlich dokumentiert werden. Was zu ihrer Dokumentation gehört, finden Sie in unserem Online-Service unter "Checklisten".